Hier finden Sie Informationen rund um das Thema

IMPFUNGEN gegen COVID-19

TERMINE finden Sie hier:

  • Termine zur ERST-Impfung ab 12 Jahren - finden Sie HIER
     
  • Termine zur ZWEIT-Impfung finden Sie HIER
     
  • Termine zur BOOSTER-Impfung mit BioNTech-Impfstoff ab dem 12. Lebensjahr - finden Sie HIER
    • Booster(=Auffrisch-)Impfung ab 3 Monate nach 2. Impfung mit BioNTech/Moderna/Astra! 
      bzw. 4 Wochen nach Impfung mit Johnson&Johnson empfohlen! 
    • 4. Impfung (= 2. Booster-Impfung) - 3 Monate nach erster Booster-Impfung - aktuell nur empfohlen für 
      - Menschen ab 70 Jahren
      - Bewohner von Pflegeheimen
      - Menschen mit relevanten (!) Immundefekten
      - Menschen mit erhöhtem Risiko für schweren Verlauf von Covid-19 (schwere chron. Erkrankungen

Liebe Patientinnen und Patienten,

ich möchte Ihnen hier ein paar Hinweise zu den Impfungen gegen Covid-19 geben und mitteilen, wie Sie sich in unserer Praxis gegen Covid-19 impfen lassen können:

WOMIT?


Impfstoffe

Wir verwenden ausschließlich den mRNA-Impfstoff der Firma BioNTech (Comirnaty).

Wirkungsweise

Alle aktuell zugelassnen Impfstoffe haben das Ziel, Körperzellen zur Produktion von Antikörpern gegen das Spike-Proteins von SARS-CoV-2 anzuregen. Wenn das Immunsystem dieses körperfremde Eiweiß erkennt und Schutzstoffe (Antikörper, Immunzellen) dagegen bildet, kann es den Körper im Fall eines Kontakts mit SARS-CoV-2 schnell genug und stark genug verteidigen, bevor das Covid-19-Virus zu einer (schweren) Erkrankung führt.

Im Fall eines mRNA-Impfstoffs wird der unmittelbare Bauplan für das Spike-Protein in Form einer messenger RNA (mRNA) verabreicht, anhand dessen die Ribosomen (die „Proteinbäckereien“) in den Zellen direkt mit der Produktion von Spike-Protein beginnen können.

 

WIRKSAMKEIT


Was heißt „Wirksamkeit“?

ALLE bisher zugelassenen Impfstoffe übertreffen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit alles, was selbst optimistischste Experten erwartet hatten!
 

Man muss sich immer klar machen, dass es kaum einen Impfstoff gibt, der zu 100% gegen die Infektion, gegen die er entwickelt wurde, schützt. Nur ein Teil der Impfstoffe ist zudem in der Lage, eine „sterile Immunität“ zu erzeugen. Gemeint ist, dass im Fall des Kontakts mit dem Erreger eine Infektion – also eine Vermehrung des Erregers im Körper sowie eine schädigende Wirkung auf den Körper – komplett verhindert werden kann. Demgegenüber steht die „klinische Immunität“, die Verhinderung einer (schweren) Erkrankung durch eine Impfung, auch wenn sich der Erreger in geringen Mengen im Körper vermehren und auch etwas mit diesem interagieren kann.
Die heute in der EU verwendeten Impfstoffe schützen nach der 3. Impfung = Boosterimpfung zu 90% vor einem schweren Verlauf von Covid-19. Damit ist die Pandemie beherrschbar geworden!



SICHERHEIT DER IMPFSTOFFE


Zu schnell entwickelt?

Viele fragen sich, warum die Entwicklung der Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 so schnell gehen konnte. Die Antwort darauf ist mehrschichtig:
Zum einen entwickelt sich die Biotechnologie mit rasanter Geschwindigkeit weiter. Die Technologien zur mRNA-Impfung und zur Vektorimmunisierung sind neu, aber bereits über Jahre hinweg entwickelt und ausgereift worden. Die Firma BioNTech beispielsweise arbeitet seit 2008 auf der Basis der mRNA-Impftechnologie an Impfstoffen gegen Krebs. Zudem wird bereits seit Jahren an der Impfung gegen MERS, einen engen Verwandten des SARS-CoV-2 gearbeitet, die ebenfalls auf der Vektorimpfstoff-Technologie beruht.
Auch die Technologien zur Erforschung von Viren und deren Erbgut sind im Laufe der Jahre immer besser und schneller geworden. In den 90er Jahren dauerte die erstmalige Entschlüsselung des menschlichen Erbguts noch mehr als 10 Jahre. Heute ist dies in wenigen Tagen möglich. Das Genom von SARS-CoV-2 war mit diesen neuen Technologien bereits am 12. Januar 2020 – nur wenige Tage nach dessen erstmaliger Identifizierung – vollständig entschlüsselt worden. Auf der Basis dieses jetzt bekannten genetischen Codes war es – die zur Verfügung stehende mRNA- und Vektorimpfstoff-Technologie nutzend – möglich, bereits im Februar/März 2020 mehrere Impfstoffkandidaten zu entwickeln und im April 2020 erste klinische Studien am Menschen zu starten. Das ist in der Tat sehr schnell! Möglich war es auch nur – aber auch deshalb – weil moderne Technologien dies möglich machten. Mit einem modernen Computer können komplizierte Berechnungen auch sehr viel schneller durchgeführt werden als mit den ersten PCs aus den 80er Jahren!
Ein Teil der Antwort ist also: Moderne Technologien machen es schneller möglich.

Zum zweiten sind Zulassungsbehörden bereit gewesen, schnellere Wege der Prüfung – ohne die Gründlichkeit der Prüfung zu verringern – zu gehen: Während normalerweise die verschiedenen Phasen der klinischen Prüfungen nacheinander erfolgen und erst beim vollständigen Abschluss aller Studien zur Prüfung eingereicht werden, haben die Zulassungsbehörden im Fall der Covid-19-Vakzinen bereits begonnen, Studiendaten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit zu prüfen, als die Studien noch liefen.
Endgültige Entscheidungen zur Zulassung erfolgten jedoch erst, nachdem alle Daten in ausreichender Qualität vorgelegen haben. Deshalb dauerte die Erteilung einer regulären Zulassung für die Impfstoffe von BioNTechModerna und AstraZeneca/Oxford in der EU auch länger als die vorläufigen/eingeschränkten Zulassungen in Israel oder Großbritannien.
Die medizinische Fachwelt hat zu Recht aufgeschrien, als Russland seinen Sputnik V-Impfstoff im August 2020 auf Basis einer Phase II-Studie mit lediglich 76 (!) Probanden zugelassen hat. Diese Entscheidung galt den hiesigen Zulassungsbehörden als Verstoß gegen internationale Mindeststandards in der Arzneimittelzulassung und als gefährliches Experiment am Menschen. Die amerikanische und die europäische Zulassungsbehörde hat zwar weitgehende Kooperation signalisiert, aber von Anfang an klar gemacht, dass es keine Kompromisse bei den Prüfstandards zur Zulassung der Impfstoffe geben werde.
Zweiter Teil der Antwort ist also: Schnellere – jedoch genauso gründliche – Zulassungsverfahren machen es schneller möglich.

Zum dritten gab es einen unglaublichen Druck aus der ganzen Welt, möglichst schnell einen möglichst gut wirksamen, möglichst schnell in großen Mengen herstellbaren, möglichst preiswerten Impfstoff gegen diese Jahrhundertseuche zu entwickeln. Universitäten, Biotech- und Pharma-Firmen, Regierungen und Organisationen steckten all ihre wissenschaftliche Expertise sowie riesige Mengen an Geld in den Wettkampf um den Impfstoff gegen Covid-19.
Ein dritter Teil der Antwort ist also: Mit viel Geld und vielen gleichzeitig tüftelnden Wissenschaftlern kann man schneller ein Ziel erreichen.
 
Schließlich scheint das Virus ein „dankbarer Gegner“ zu sein. Jahrzehntelange Versuche, einen Impfstoff gegen HIV, Malaria oder Hepatitis C zu entwickeln sind bisher vergebens. Trotz der modernen Technologien, trotz des großen Bedarfs und trotz vieler daran arbeitender Wissenschaftler und riesigen Summen an Geld, die für die Forschung zur Verfügung stehen!
Die Impfstoffentwicklung gegen SARS-CoV-2 lief entschieden besser, als die meisten Wissenschaftler zu hoffen gewagt hätten. Kaum einer der namhaften Impfstoffforscher und Infektiologen hätte gehofft, einen Impfstoff entwickeln zu können, der mehr als 70% Schutzwirkung erzielt. Impfstoffe gegen Grippe – den anderen bedeutsamen und gefährlichen viralen Erreger schwerster Atemwegsinfektionen – erzielen trotz jahrelanger Erfahrungen meist nicht mehr als 50-70% Schutzwirkung. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hatte in 2020 geäußert, man wäre bereit, einen Covid-19-Impfstoff zuzulassen, der 50% wirksam ist. Niemand hatte auf eine Wirksamkeit über 70% oder gar über 90% zu hoffen gewagt.
Der letzte Teil der Antwort lautet also: Das Virus scheint ein „dankbarer Gegner“ für Impfstoffe zu sein und wir scheinen seinen verwundbaren Punkt schnell gefunden zu haben.

Einige Menschen haben die Befürchtung, dass mit diesen Impfstoffen das menschliche Genom verändert werden könne. Dies gilt unter Experten als extrem unwahrscheinlich bzw. nahezu sicher ausgeschlossen.


Nebenwirkungen - Erfahrungen aus der Praxis

Die weltweiten Impfkampagnen werden von den Zulassungsbehörden und im Rahmen von begleitenden Studien intensiv beobachtet. Bisher sind - bis auf die unten beschriebenen keine nicht erwarteten schweren Reaktionen aufgetreten, die nachweislich oder zumindest sehr wahrscheinlich auf die Impfung zurückzuführen sind.

UPDATE 13.06.2021:
Herzmuskelentzündung nach mRNA-Impfstoff von BioNTech

Israel hat seit Dezember 2020 einen Großteil seiner Bevölkerung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer geimpft. Begleitet wurde dieses Impfprogramm von einzigartigen wisschenschaftlichen Auswertungen - sowohl die Effektivität, als auch potenzielle Nebenwirkungen der Impfungen betreffend. 

Im Rahmen dieser Begleituntersuchungen fielen bereits vor Wochen eine geringe Anzahl von Herzmuskelentzündungen in zeitlichem Zusammenhang mit der zweiten Impfung bei jungen Männern auf. Ein vermuteter Zusammenhang solcher Myokarditis-Fälle mit der mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer wird jetzt auch von den US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) als wahrscheinlich auf die Impfung zurückzuführen bestätigt. Die abolute Mehrzahl der Fälle verlaufe sehr mild.

Auch das Deutsche Paul Ehrlich-Institut bestätigt in seinem Sicherheitsbericht, dass man Fälle von Myokarditis nach Covid-Impfungen gemeldet bekommen habe. Diese Fälle seien jedoch so selten, dass ein sicherer Zusammenhang zur Impfung aktuell noch nicht gesichert werden kann. 

HÄUFIGE NEBENWIRKUNGEN

ALLE Covid-Impfstoffe sind prinzipiell NICHT sehr gut verträglich!

Fakt ist, dass es nach Impfungen zu Reaktionen an der Impfstelle (meist Schmerz, Schwellung etc.) sowie im gesamten Körper (oft Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit, zuweilen Fieber etc.) kommen kann. Diese Reaktionen sind Ausdruck der Immunantwort, also exakt der Reaktion, die vom Immunsystem als Antwort auf die Impfung gewünscht ist. Das Immunsystem „denkt“, dass ein Krankheitserreger im Körper ist und „bekämpft“ diesen. Hierbei werden die gleichen Botenstoffe des Immunsystems freigesetzt, die auch im Rahmen der Auseinandersetzung mit einem Krankheitserreger freigesetzt werden (Zytokine u.a.). Diese Zytokine werden auch nach Impfungen gebildet und sind Teil der (gewünschten!) Immunreaktion. Man könnte auch sagen, es ist ein „gutes Zeichen“, wenn man etwas merkt.

Medikamente wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin wirken gegen die meisten dieser unangenehmen grippalen Nebenwirkungen. Die Einnahme dieser wird jedoch nur empfohlen, wenn die Beschwerden stark sind, weil sie zu einer Reduktion der Immunantwort führen könnten
 
Konkret können folgende Nebenwirkungen gehäuft auftreten:

Lokalreaktionen an der Impfstelle

AstraZeneca/Oxford
1./2. Injektion
BioNTech/Pfizer
1./2. Injektion
Schmerzen  / 20% 83% / 78%
Überempfindlichkeit 50% / 50%

Allgemeinreaktionen im Körper

AstraZeneca/Oxford
1./2. Injektion
BioNTech/Pfizer
1./2. Injektion
Kopfschmerz 70% / 30% 52%
Frösteln 60% / 20% 33% / 58%
Muskelschmerzen 60% / 20% 60%
Fiebergefühl 50% / 20%
Fieber 40% / <5% 8,3% / 17%
Müdigkeit 20% / 30% 42% / 75%
Gelenkschmerz 20% / <5% 25%
Übelkeit 30% / 10%

 
Bei den mRNA-Impfstoffen (BioNTech/Pfizer und Moderna) treten solche grippeartigen Nebenwirkungen öfter nach der zweiten Impfung auf.  
Dies ist gut im folgenden Diagramm aus einer der Entwicklungsstudien für den BioNTech-Impfstoff zu sehen:
 
Jeweils links die Nebenwirkungen nach der ERSTEN und rechts die Nebenwirkungen nach der ZWEITEN Injektion. Im jetzt verwendeten Impfstoff wird die 30µg-Konzentration genutzt.
 

 
Beim AstraZeneca/Oxford-Impfstoff häufiger nach der ersten Gabe.
Ebenfalls hier dargestellt die Nebenwirkungen nach der ERSTEN Injektion oben und nach der ZWEITEN Injektion in der Reihe unten.
 

 
Jüngere haben im Allgemeinen stärkere Nebenwirkungen als Ältere.

Auch wenn diese Reaktionen unangenehm sein können, so lösen die Impfstoffe keine Infektionen aus. Die Impfstoffe enthalten keine krankmachenden Erreger! Die Impfreaktionen können oft mit Paracetamol oder Ibuprofen abgemildert werden. Verglichen mit der zu vermeidenden Infektion sind diese Nebenwirkungen ganz sicher in fast allen Fällen das geringere Übel.


IMPFUNG NACH COVID-19?

Zur Besonderheit der Covid-19-Impfstoffe gehört es, dass sie in den Untersuchungen zum Effekt auf das Immunsystem zu besseren Immunantworten geführt haben als viele durchgemachte Infektionen mit SARS-CoV-2.
 
So zeigten sich nach den Impfungen – sowohl mit den mRNA-, als auch mit dem Vektor-Impfstoff – bessere Antikörperkonzentrationen gegen das Virus und höhere Konzentrationen neutralisierender Antikörper, also der Antikörper, die das Virus am Eintritt in die Zielzellen hindern, als nach einer durchgemachten Infektion.  
 
Exemplarisch ist dies in einer Untersuchung mit dem BioNTech-Impfstoff sehr gut zu sehen. Hier konnten nach einer Impfung höhere Konzentrationen neutralisierender Antikörper nachgewiesen werden (163) als im Blut von Menschen, die eine Covid-19-Infektion durchgemacht haben (94, HCS). 
 
Auch wenn aktuell noch niemand sagen kann, wie lange eine Impfung vor Covid-19 schützt, so ist doch anzunehmen, dass eine Impfung besser und länger vor einer erneuten Infektion mit SARS-CoV-2 schützt als eine durchgemachte Infektion. 

BOOSTER-/AUFFRISCH-Impfungen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt ALLEN Menschen über 18 Jahre eine Auffrisch-/Booster-Impfung gegen Covid-19 im Abstand von 3 Monaten nach der zwieten Impfung mit BioNTech-/Moderna-/AstraZeneca-Impfstoff.

Zudem wird ALLEN, die einmalig mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson geimpft wurden, eine Auffrisch-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/Pfizer oder Moderna) - bereits 4 Wochen nach der Impfung mit Johnson&Johnson-Impfstoff - empfohlen. 


Die meisten Impfstoffe wirken erst dann optimal, wenn nach einer Grundimmunisierung nach sechs Monaten eine Auffrischung der Immunantwort erfolgt. Es ist absolut physiologisch, dass eine Immunantwort nach einem ein-/zweimaligen Kontakt des Immunsystems mit einem Krankheitserreger (oder Teilen davon) nach einigen Monaten nachlässt. Die Auffrischungsimpfungen wirken als "Erinnerung" für das Immunsystem und bewirken einen deutlichen Anstieg spezifischer Antikörper. Es ist wie beim Vokabeln lernen: Erst die Wiederholung macht den Lerneffekt!


Es ist mittlerweile in großen Studien nachgewiesen, dass eine Auffrisch-Impfung die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs einer Covid-19-Infektion im Fall einer Ansteckung im Vergleich zu einer zweimaligen Impfung nochmals massiv um insgesamt 90% senkt

4. Impfung für wen und wann?

Viele Patienten fragen mich, ob und wann sie eine vierte Impfung, also einen zweiten Booster brauchen. Und plötzlich werde ich – der die Impfung „heilig“ spricht – nicht selten zum „Bremser“. Obwohl wir aktuell mehr als genug Impfstoff verfügbar haben, obwohl wir leider immer wieder nicht verbrauchte Impfdosen wegwerfen und obwohl ich jede Impfung vergütet bekomme, sehe ich nur eine kleine Gruppe Patienten, die eine vierte Impfung brauchen.

Trotzdem ich ein klarer Fan der Covid-Impfung bin, habe ich den Anspruch, meinen Patienten einen fundierten, auf wissenschaftlichen Fakten basierenden Rat zu geben. Und hier zeigen Studiendaten aus Israel, dass die vierte Impfung bei über 60-Jährigen zusätzlich zu etwa 45% gegen eine Infektion, zu 62% gegen einen schweren Verlauf und zu 74% gegen Covid-bedingten Tod schützt. Bereits mit der dritten Impfung kam es jedoch zu einer massiven Reduktion des Risikos. Der zusätzliche Effekt der vierten Impfung ist nicht mehr so hoch wie der Zusatzschutz durch die dritte Impfung!

Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut – STIKO – empfiehlt die 4. Impfung aktuell nur bei

  • Menschen ab 70 Jahren
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Menschen mit „Immundefekten“ ab 5 Jahren
  • Tätige in medizinischen und Pflegeeinrichtungen

Die ersten drei Gruppen sollten die zweite Boosterimpfung ab drei Monate nach der ersten Auffrischung (= 3. Impfung) erhalten.  Das medizinische und pflegerische Personal erst nach sechs Monaten.

Personen der o.g. Gruppen, die nach der ersten Boosterimpfung (der 3. Impfung) eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben, wird KEINE zweite Auffrischung (4. Impfung) empfohlen.

Ich würde die Empfehlung konkretisieren (und etwas erweitern) wollen:

Aus meiner Sicht sollten

  • alle ab 70-jährigen
  • vielleicht auch schon ein Großteil der ab 60-jährigen
  • alle Menschen mit relevanten Immundefekten, insbesondere 
    - Patienten, die immununterdrückende Medikamente (Organtransplantierte, Menschen mit Autoimmunerkrankungen, die potente Immunsuppressiva nehmen…), - Krebskranke unter Chemotherapie, 
    HIV-Infizierte mit sehr niedrigen Helferzellen (<200) oder schlechter Viruskontrolle
    (Eine gut medikamentös kontrollierte HIV-Infektion mit >500 Helferzellen bei jüngeren Patienten ohne schwere chronische Zusatzerkrankung zählt aus meiner Sicht NICHT als relevanter Immundefekt! Hier würde ich aktuell nicht zu einer vierten Impfung raten.)
     
  • Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (schwere Koronare Herzerkrankung, Herzinfarkte, Herzschwäche, andere schwere Herzerkrankungen…)
  • Menschen mit schweren Lungenerkrankungen (schweres Asthma bronchiale, schwere COPD…)
  • Menschen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen (Leberzirrhose, Dialyse…)
  • Menschen mit schlecht eingestelltem Diabetes mellitus
  • Stark Übergewichtige (BMI >30)
  • alle mit chronischen Erkrankungen, für die schon eine schwerere Erkältung eine potenzielle Gefahr darstellt

eine zweite Boosterimpfung erhalten.

Wieso nicht alle???

Hier muss man sich die Frage stellen, was eine Impfung erreichen kann. Nur wenige Impfstoffe führen zu einer „sterilen“ Immunität. Heißt: Die vollständige Verhinderung einer Ansteckung mit dem durch die Impfung adressierten Erreger gelingt nur bei wenigen Impfungen. Viele Impfstoffe erreichen „nur“ eine Abmilderung der Infektionsschwere. Meint: Es kommt zwar zu einer Ansteckung mit dem durch die Impfung zu „verhindernden“ Erreger, die Infektion macht nach der Impfung aber nicht mehr (so stark) krank. Genau dies sehen wir auch bei der Impfung gegen Covid-19: Dreifach Geimpfte haben ein um etwa 90% vermindertes Risiko, einen schweren Verlauf, also eine Lungenentzündung durch SARS-CoV-2 zu entwickeln. Viele Geimpfte infizieren sich zwar, ein Großteil davon entwickelt auch Symptome. So unangenehm diese auch sein können, führen diese doch meist nicht zu einer schweren oder langwierigen Erkrankung. Im Gegensatz zum Verlauf bei einem substanziellen Anteil Ungeimpfter.

Hinzu kommt der Fakt, dass nicht alle Impfstoffe die „idealen“ Abwehrmechanismen hervorrufen. Erreger von Atemwegsinfektionen – wie SARS-CoV-2 – dringen über die Schleimhäute der Atemwege in den Körper ein. Um eine Infektion zu verhindern, wäre eine große Konzentration „neutralisierender“, also die Bindung des Virus an seine Zielzellen verhindernder Antikörper auf der Oberfläche der Schleimhäute hilfreich. Solche „IgA“-Antikörper werden vor allem durch ein direktes Training des Schleimhautständigen Immunsystems gebildet. Heißt: Würde man den Impfstoff direkt auf den Schleimhäuten der Atemwege applizieren, so hätte dies potenziell den höchsten Schutz-Effekt. Impfstoffe, die – wie alle aktuell verwendeten Covid-19-Impfstoffe – über eine Injektion in einen Muskel appliziert werden, bewirken zwar auch die Bildung von Schleimhaut-gebundenen (IgA)-Antikörpern. Deren Konzentration sinkt aber recht schnell nach der Impfung wieder ab. Besser wäre es, einen Impfstoff als Sprühstoß in die Nase oder als Inhalation über die Bronchien zu verabreichen. Hieran wird seit Beginn der Covid-19-Impfstoffentwickung auch gearbeitet. Dies umzusetzen gestaltet sich aber als sehr schwierig und ist aktuell (noch) nicht möglich.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 bewirkt jedoch genau diese Schleimhaut-assoziierte Immunität. Gleichzeitig führt die Impfung in den Muskel zur Herausbildung hocheffektiver Immunzellen, die das Virus nach einer Infektion wesentlich an der Ausbreitung hemmen und damit einen schweren Verlauf durch Schädigung großer Zellgruppen verhindern.

Wenn es mir also gelingt, durch eine (oder drei) Impfung(en) einer Erkrankung den Schrecken zu nehmen, so könnte eine dann stattfindende natürliche Infektion (trotz Impfung) dazu beitragen, dass sich eine immer besser werdende Schleimhautimmunität herausbildet, welche weitere Infektionen verhindert. Die einzelnen Infektionen sind dann zwar – wie eine Erkältung verlaufend – unangenehm, aber eben nicht schwerwiegend oder (lebens)gefährlich. Dann – und erst dann – wäre das neue Coronavirus eben nicht gefährlicher als eine Erkältung.

Wenn wir also davon ausgehen, dass SARS-CoV-2 nicht verschwinden wird, so muss sich die Menschheit möglichst gut damit arrangieren. Hätte man die Pandemie einfach „laufen“ gelassen – hätte man also keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und keine Impfungen entwickelt – so hätten sich mit höchster Wahrscheinlichkeit nahezu alle Menschen früher oder später mit dem Virus infiziert. Dadurch wäre es – nach einer oder mehreren Infektionen – zur Herausbildung einer guten Immunität bei den Genesenen gekommen. Die Infektionswellen hätten sich immer mehr abgeschwächt, weil das Virus immer öfter auf (teil)immune Menschen trifft. Die Pandemie ist dann vorüber, das Virus geht in einen „endemischen Zustand“ über.

Da das Virus am Anfang der Pandemie auf eine „immun-naive“ Bevölkerung trifft – also auf eine Menschheit, die noch nie Kontakt zu diesem neuen Virus hatte und somit keinerlei Immunität (durch Training erworbenen Schutz) gegen das Virus hat – wären ein (zu) großer Teil der erstmalig Infizierten jedoch schwer erkrankt und etliche gestorben. Durch die Impfungen wurden die Immunsysteme der Menschen auf das Virus vorbereitet. Dermaßen trainierte Immunsysteme können eine Infektion schneller erkennen und eindämmen, bevor es zu einer starken Ausbreitung und Schädigung des Körpers kommt.

So ist es zu verstehen, wenn Spezialisten wie Prof. Drosten sagen, dass es durchaus „gewollt“ ist, wenn gut geimpfte (!!!) Menschen sich mit dem Virus infizieren. Je öfter dies stattfindet, desto mehr wächst die Immunität der Bevölkerung gegen das Virus. Umso besser können die Menschen mit der Infektion umgehen. Umso weniger Schaden verursacht die Infektion. Auch bei diesem Konzept gilt aber wieder: Nicht alle auf einmal! Es macht weiterhin Sinn, Infektionen zu verhindern bzw. das Auftreten dieser in der Bevölkerung auf lange Zeiträume zu strecken. Es wird immer einen kleinen Teil der Infizierten geben, die schwer erkranken. Um diese gut betreuen zu können, darf ihre Zahl nicht Überhand nehmen.

Kurzum: 3x Impfen ist ohne jede Frage sehr wichtig und sollte unbedingt sein! Dann ist man gut geschützt vor einem schweren Verlauf und kann eine natürliche Infektion riskieren, die dann zu einer immer besseren Immunität führt.

Die vierte Impfung ist – Stand heute (01.05.2022) – nur für Menschen sinnvoll, die besonders gefährdet sind, einen schweren = lebensbedrohenden Verlauf von Covid-19 zu entwickeln.

Es könnte sein, dass im Herbst noch einmal eine Impfung mit einem – erst dann verfügbaren – auf die Omikron-Variante angepassten Impfstoff empfohlen wird. Dann könnte es noch einmal eine Empfehlung für alle geben, sich ein weiteres Mal impfen zu lassen. Aktuell ist dies nicht absehbar.


Weitere Informationen…


Impfdashboard.de
 
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO
 
Fragen und Antworten-Seite der STIKO zur Covid-19-Impfung
 
Impfseite des Gesundheitsministeriums


Tobias Glaunsinger

Detaillierte Informationen zu spezifischen Krankheitbildern und Themen:

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